Sian Ka’an – Nationalpark und Weltnaturerbe

Von Puerto Aventuras aus machten wir uns auf den Weg nach Sian Ka’an, einem von Mexikos größten Nationalparks. Da dieser nur an wenigen Stellen zugänglich ist, ist der (Land-)Weg dorthin etwas beschwerlich, doch es lohnt sich auf jeden Fall!

Route Puerto Aventuras – Punta Allen, Fahrtzeit ca. 2,5 h

Von unserer Unterkunft bis zum Arco in Tulum, dem Eingang des Parkes, benötigten wir bereits 45 min, doch die eigentliche Quälerei begann erst danach. Der Eintritt mit 35 Pesos pro Person (ca. 1,50 €) war wie so oft sehr erschwinglich.

Eingang zum Nationalpark
Öffnungszeiten: Ganzjährig von 7-18 Uhr

Danach ging es weiter und zwar im Schneckentempo. Im Durchschnitt fuhren wir mit 5 km/h über die mit tiefen Schlaglöchern übersäte Sandstraße. Schneller darf man dort auch kaum fahren, wenn man keinen Achsbruch riskieren möchte. Selbst auf dieser furchtbaren Straße gab es übrigens noch Topes, die mexikanischen Bodenschwellen. Wozu auch immer. 7 km und 75 Minuten später erreichten wir die leider geschlossene Touristeninfo, von der wir uns eigentlich einige Informationen bezüglich Führungen erhofft hatten. Ab da besserte sich aber immerhin die Straße, sodass wir etwas schneller vorankamen und für die letzten 5 km bis Punta Allen nur noch 45 min brauchten.

Anmerkung: Wir waren im November 2020 dort und seitdem hat sich der Zustand der Straße massiv verschlechtert. Die Schlaglöcher sind mittlerweile teils knietief und es ist nicht ratsam mit eigenem PKW dort entlang zu fahren (Stand Februar 2022). Wenn doch, dann nur mit äußerster Vorsicht, wodurch die Fahrt ca. 3-3,5 h dauert. Normalerweise fahren auch collectivos nach Punta Allen, wobei das bei dem aktuellen Zustand der Straße fraglich ist, ob sie immer noch fahren. Somit ist es am besten direkt (als Tour) per Boot anzureisen, z.B. mit kleinen privaten Anbietern wie Loseana Private Tours.

Auf dem Weg gab es nicht nur Schlaglöcher, sondern es sprangen auch immer wieder kleine Tierchen auf der Straße herum, so wie diese Nasenbärmutter mit ihren Jungen.

Auf den 12 km Hinfahrt fuhren wir lange Zeit direkt am Meer entlang, wobei es erstaunlich wenig Strandzugänge, dafür aber erschreckend viel Müll gab. Nach so langer Zeit in Mexiko müssten wir eigentlich schon daran gewöhnt sein, dass Straßenränder und Dünen kleinen Müllhalden ähneln, aber in einem Nationalpark hätte ich das trotzdem nicht erwartet. Allerdings sind in diesem Fall vermutlich nur bedingt Strand- und/oder Parkbesucher dafür verantwortlich, da der meiste Müll wahrscheinlich vom Meer angespült wird. Das macht die ganze Sache aber nicht wirklich besser.

Müll, soweit das Auge reicht.

Unsere Sorge, so kurzfristig keine Führung zu finden bzw. zu bekommen, war übrigens unbegründet. Angekommen in Punta Allen wurden wir auf der einzigen Zufahrtsstraße „abgefangen“ und es wurde uns eine Bootstour angeboten. Diese kostete 3000 Pesos (ca. 140 €) für 2,5 h und war nur für uns 5.

Kurz bevor wir ins Boot stiegen, hatten wir mal wieder einen kurzen Einblick in ein typisch mexikanisches Leben auf dem Dorf, das uns hinterher noch eine ganze Weile beschäftigte. Da die Kleine auf Toilette musste, fragten wir unseren Bootsführer, ob es irgendwo in der Nähe ein Restaurant oder öffentliche Toiletten gäbe. Gab es natürlich nicht, doch dafür führte er uns zu einer befreundeten Familie, wo wir das Badezimmer kurz nutzen durften. Das Haus, immerhin aus Stein, war ca. 40 qm groß, wobei die vordere Hälfte als Verkaufsraum von Getränken genutzt wurde. Hinter der Theke ging es in den privaten Bereich, der nur aus 2 Räumen bestand: einem Badezimmer und einem Koch-Wohn-Ess-Schlafzimmer. Zum Schlafen wurden vor allem Hängematten genutzt, die teils zusammengerollt auf dem Boden lagen. In einer Ecke lag eine durchgelegene, schmutzige Matratze, auf der sich viel zu viele kleine Kinder tummelten. Der Küchenbereich bestand aus einem uralten Herd und einer Spüle. Ein alter abgewetzter Sessel stand inmitten des Raumes, viel zu dicht vor dem altersschwachen TV. In einer Ecke gab es noch einen klapprigen Plastiktisch mit einigen Stühlen, wie er in Deutschland oft in Gartenlauben benutzt wird. Das Badezimmer war eng, klein und schmutzig, wobei es auch eher wie eine Baustelle als ein fertiges Bad aussah. Keine Fliesen, nackter Boden, windschiefe Tür. Die Toilette hatte die Größe und Höhe eines Kindergartenklos und zum Abspülen gab es einen Eimer mit Wasser. Die Dusche war als solche kaum erkennbar, da sie nur aus einem Blechtrog in der Größe eines Wäschekorbes bestand und in luftiger Höhe ein Wasserschlauch baumelte.

Obwohl mir die Familie unheimlich leid tat, sah sie doch nicht unglücklich aus. Wer weiss, vielleicht nahm ich den Zustand ihres Hauses durch meine europäischen Augen als viel schlimmer wahr als es für sie wirklich war?! Als wir das Haus wieder verließen, war ich zwar einerseits dankbar diese Armut hinter mir lassen zu können, aber auch froh, dass wir diesen sehr privaten Einblick hatten. Denn das öffnete mir und auch den Kindern mal wieder die Augen wie gut es uns doch geht und wie dankbar wir sein können, dass wir im privilegierten Europa geboren worden sind.

Doch zurück zur Bootstour: Nach einer kurzen Fahrt durch Mangroven, bei der ich die ganze Zeit damit rechnete mal wieder Krokodile zu sehen, waren wir plötzlich auf dem offenen Meer. Und was für ein Meer! Hier sahen wir endlich die Farben, die wir in Bacalar vergeblich suchten: von hellgrün über türkis bis dunkelblau war alles dabei. Als sich dann kurze Zeit später noch ein Delfinbaby samt Mutter zu uns gesellte, war das Glück perfekt. Eine ganze Weile schaukelten wir auf dem Wasser herum und bestaunten die Beiden. Obwohl wir mittlerweile schon viele Delfine in freier Natur gesehen hatten, so war es doch unser erstes Baby. Dieses hielt sich die gesamte Zeit über ganz dicht bei seiner Mutter und tauchte nur gemeinsam mit ihr (oder sie mit ihm?) auf. Obwohl die Kinder ihnen gut zuredeten, sprangen sie natürlich nicht hoch in die Luft, aber das war auch gar nicht nötig, da man sie in dem glasklaren Wasser hervorragend sehen konnte.

Mutter und Kind

Danach ging es zur Insel Cayo Culebra, auf der man wunderbar Vögel beobachten kann. Da wir in den letzten Wochen jedoch schon mehrfach in diesen Genuss kamen, wir eh keine ambitionierten Hobby-Ornithologen sind und sich die Insel wegen des gerade erst vorübergezogenen Hurrikans in einem recht desolaten Zustand befand, wurde es nur ein sehr kurzer Abstecher. Zurück ging es Richtung Punta Allens Ostküste, die lange relativ flach ist und deswegen gerne von Schildkröten besucht wird. Kaum angekommen, sahen wir auch schon mehrere Schildkröten, eine davon so nah, dass wir sie hätten problemlos streicheln können, wenn wir gewollt hätten (Haben wir natürlich nicht! Und sollte man auch nicht!).

Oben sieht man die Folgen des Hurrikans kurz vor der Insel.

Nachdem wir uns an ihr satt gesehen hatten, ging es zur Schnorcheltour etwas weiter draußen im Meer. Da ich keinerlei Interesse daran hatte mich von potenziellen Haien auffressen zu lassen (jaja, ich wieder 😜) und der Wellengang dank schlechter werdendem Wetter für die Kleinen zu hoch wurde, gingen nur der Große und mein Mann ins Wasser. Versprochen wurde uns ein buntes Korallenriff mit vielerlei Fischarten, die Realität war deutlich trostloser. Sei es nun wegen des letzten Hurrikans, wie unser Führer meinte, oder wegen der fehlenden Sonne und der aufziehenden Schlechtwetterfront, aber ein interessantes Erlebnis war es allemal. Kurz bevor es anfing zu regnen, hüpften die Kinder in Strandnähe noch mal zum Baden ins Wasser und schon waren die 2,5 h um. Im Regen, der zu dieser Jahreszeit aber relativ warm war, fuhren wir zurück zur Anlegestelle und von dort aus wieder zurück zum Hotel.

Fazit: Auch wenn die Autofahrt mit insgesamt 5 h deutlich länger dauerte als der eigentliche Ausflug an sich und wir keine Seekühe sahen, so hat es sich trotz alledem gelohnt.

Unsere Yucatán-Rundreise im Überblick.

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