Choco-Story – die Geschichte der Schokolade

Direkt gegenüber von der archäologischen Zone Uxmal befindet sich das interaktive museo del chocolate, ein Museum, in dem es rund um das Thema Kakao geht. Wo wächst die Kakaobohne? Wer kam auf die Idee sie zu Schokolade zu verarbeiten und wie wird diese aus den Bohnen hergestellt? Diese und viele weitere Fragen werden dort beantwortet und da wir noch etwas Zeit bis zur Rückkehr nach Mérida hatten, beschlossen wir uns das Museum anzuschauen.

Route Mérida – Choco-Story, Fahrtzeit ca. 1 h

Von außen wirkt das Museum, das mitten im yukatenischen Dschungel liegt, sehr bunt und steht in seiner frischen Aufmachung, welches vom Baustil an die Herrenhäuser der Haciendas erinnert, in einem krassen Widerspruch zu den zuvor besichtigten Ruinen von Uxmal. Das eigentliche Museum erstreckte sich jedoch auf mehrere strohgedeckte Hütten, die auf einem Outdoor-Rundweg verteilt waren, und in denen der Besucher auf Entdeckungsreise mitgenommen wurde. Das Schöne war, dass die Erklärungen zahlreich bebildert und mithilfe eines erklärenden Affen sehr kindgerecht waren, sodass sich das Museum auch hervorragend für Familien eignet.

Eingangsbereich und Informationen zum Museum
Rundweg mit Hütten, Schildern und fremdartigen Pflanzen

In der ersten Hütte ging es vor allem darum, wie die Mayas die Kakaobohne verwendeten. Für die Zubereitung des Mayakakaos wurden zunächst die Kakaobohnen geröstet, dann zerstampft und unter Zugabe von Wasser und einigen Gewürzen, wie z.B. Zimt, zu einer Paste verarbeitet. Diese wurde mit einer von drei Methoden aufgeschäumt – die Paste wurde entweder mithilfe eines speziellen Gefäßes „aufgeblasen“ oder es wurde mithilfe eines sich schnell drehenden Stocks für Reibung und Hitze gesorgt oder sie wurde aus einiger Höhe immer und immer wieder aufgegossen -, sodass am Ende ein schaumiges Getränk entstand. Diese aufwendige Zubereitungsmethode der sehr kostbaren Bohnen konnte sich das einfache Volk jedoch nicht leisten, weswegen nur Könige oder hohe Beamte in den Genuss des Getränks kamen oder dieses als Opfergabe für ihre Götter zubereitet wurde. Doch sie nutzten sie nicht nur zum Verzehr, sondern auch noch lange bis nach der spanischen Eroberung als Währung, da die Kakaobohne sehr selten und kostbar war. So konnte man zum Beispiel für 10 Bohnen einen Hasen und für 100 Bohnen einen gut genährten Sklaven kaufen.

Unten links: Die Kakaobohne als Währung,
Oben rechts: Herstellung des Mayakakaos.

In den weiteren Hütten ging es teils um die Geschichte der Mayas, welche Kleidung sie trugen und wie sie ihre Häuser bauten, teils um die mühselige Aussaat der Samen, Ernte der Kakaofrüchte und die Herkunft des Kakaobaums. Letztere ist im Übrigen bis heute nicht geklärt. Man geht davon aus, dass der Baum ursprünglich aus der Region des Orinoco-Beckens, welches sich zwischen Venezuela und Brasilien befindet, stammt. Wie und wann sich die Kakaobohnen Richtung Mexiko bewegt haben, ist unklar, denn damit aus den Bohnen ein Baum werden kann, müssen sie innerhalb von 10 Tagen nach der Ernte eingepflanzt werden. Die am weit verbreitetste Theorie geht davon aus, dass sie über Tausende von Jahren von den Einheimischen nach und nach Richtung Norden transportiert worden sind.

Sehr interessant fand ich jedoch, wie viel Kakaofrüchte man für 1 kg Zartbitterschokolade benötigt. Ganze 20 Früchte! Aus diesen können ca. 800 g Kakaobohnen gewonnen werden, die dann wiederum zu Schokolade verarbeitet werden können. Ganz schön viel Frucht für so ein bisschen Endergebnis…

Oben rechts: Der Job des Kakaofrüchteernters ist mit vielen Gefahren verbunden
Unten rechts: Variationen der Kakaofrüchte
Unten links: benötigte Anzahl an Kakaofrüchten für 1 kg Schokolade

Auf ca. der Hälfte des Rundganges gab es eine „authentische“ Maya-Zeremonie zu bestaunen, die einen Regentanz zeigte, der dem Gott Chaac galt. Dieser war in der Götterwelt der Mayas nicht nur für Regen, sondern auch für die Fruchtbarkeit und Landwirtschaft zuständig und dementsprechend wichtig für das Wachstum der Kakaobäume. Ob dieser Tanz wirklich so authentisch ist, sei mal dahingestellt, aber die Kinder waren schwer begeistert. Dort tanzten mehrere Männer, jung und alt, in traditioneller Tracht und begleiteten ihren Sprechgesang mit verschiedenen „Instrumenten“ wie die Mayas sie nutzten: große Muscheln, Kakaofrüchte, Rasseln und eine Art Trommeln.

Zumindest sahen sie in unseren europäischen Augen so aus als könnten sie wirklich von den alten Mayas abstammen.

Desweiteren gab es entlang des Weges Gehege mit ganz unterschiedlichen Tieren: Affen, Hirsche, Jaguare, Krokodile, Papageien… Dies war jedoch kein Minizoo, sondern eine Art Auffang- und Aufpäppelstation für misshandelte, verletzte oder illegal erworbene Tiere. So war z.B. das Jaguarweibchen das Haustier eines Millionärs gewesen bis sie ihn angriff und er sie seltsamerweise nicht mehr wollte. Obwohl ich Zoos wegen der oft nicht artgerechten Tierhaltung nicht wirklich leiden kann, bin ich doch sehr froh, dass es auch in Mexiko entsprechende Anlaufstellen für solche Tiere gibt, auch wenn man dort nicht gerade von artgerechter Haltung sprechen kann. Übrigens konnten die meist sehr zutraulichen Tiere mit vor Ort gekauftem Futter gefüttert werden, was die Kinder mit Begeisterung taten.

Gerettete Tiere im Museum

Zum krönenden Abschluss gab es noch eine Kakaoverkostung. Hierfür wurde von einer Museumsmitarbeiterin zunächst die verschiedenen Zubereitungsarten erklärt und im Anschluss konnten wir unseren eigenen Kakao mit verschiedenen Zutaten, wie z.B. Pfeffer, Zimt, Chili usw., verfeinern. Das typische Mayagetränk ist ein sehr natürlicher Kakao, in den maximal noch etwas Zimt gemischt wird. Da wir schon wussten wie bitter der traditionelle Kakao ist, mischten wir aus weiser Voraussicht zusätzlichen Zucker in unseren Becher, doch der half ehrlich gesagt kein bisschen, um den bitteren Geschmack zu übertünchen. Wir nippten zwar eine Weile tapfer an unserem Getränk, aber letztlich kapitulierten wir und gaben unsere fast vollen Becher zurück.

Oben links: Werkzeuge zum Aufschäumen des Kakaos
Unten: Verschiedene Kakaobohnen

Im am sich Eingang befindenden Shop konnte man noch verschiedenste Produkte, die aus der Kakaobohne hergestellt werden, kaufen. Wir gönnten uns eine Tafel Schokolade, die wir aufgrund der Hitze unbedingt und sofort aufessen „mussten“, und ein Glas „Nutella“. Beides schmeckte uns sehr gut, allerdings waren sie auch weniger traditionell zubereitet als das Getränk bei der Verkostung.

Shop des Schokomuseums

Fazit: In den knapp 2 Stunden, die der Rundweg ca. dauert, bekommt man einen sehr guten Einblick in die Geschichte der Schokolade. Mag sein, dass das Museum teilweise ziemlich touristisch ist, aber nichtsdestotrotz ist es sehr interessant, informativ und gerade für Familien mit (kleinen) Kindern perfekt geeignet. Nur bei Regenwetter ist es eine eher nasse Angelegenheit aufgrund der vielen Wege, die durch den dichten Dschungel führen.

Passend zu den sonstigen Erklärungen gibt der Affe auch am Eingang Verhaltenshinweise während der Pandemie 🙂

Unsere Yucatán-Rundreise im Überblick.

2 Kommentare zu „Choco-Story – die Geschichte der Schokolade

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