Bécal – die Heimat der Panamahüte

Von Mérida aus fuhren wir nach Campeche und legten einen Zwischenstopp in dem sich auf halbem Wege befindlichen Bécal ein. Der kleine Ort, der nur ca. 1 h von Yucatáns Hauptstadt entfernt liegt, ist den wenigsten Leuten ein Begriff und doch wird dort etwas hergestellt, was die meisten Leute kennen oder sogar zuhause haben: der Panamahut.

Route Mérida – Bécal, Fahrtzeit ca. 65 min

Bécals Stadtbild ist typisch für ein kleines mexikanisches Städtchen: Rings um den zócalo, dem zentralen Platz der Stadt, sind kleine gepflegte Grünanlagen und die Gebäude befinden sich in einem renovierten und guten Zustand, doch je weiter man sich von ihm entfernt, desto baufälliger und „mexikanischer“ sehen die Häuser aus. Und doch unterscheidet er sich von anderen zócalos, denn in der Mitte des Hauptplatzes befinden sich nahe der Stadtbuchstaben 3 große Panamahüte, die das Wahrzeichen der Stadt sind und auf den wichtigsten Wirtschaftszweig der Einwohner hinweisen.

Wer auf dem zócalo war, hat eigentlich schon alle Sehenswürdigkeiten der Stadt gesehen.

Außer des zócalos gibt es lediglich die Hutproduktion zu besichtigen, von der ca. jede zweiten Familie in Bécal lebt. Da die Produktion in meist kleineren, feuchten Erdhöhlen stattfindet, verzichteten wir aufgrund der Pandemie auf eine Besichtigung, obwohl es sicherlich interessant gewesen wäre.

Noch ein paar Worte zur Herstellung der Hüte: Außerhalb von Mexiko sind diese Sonnenhüte als Panamahüte bekannt, in Mexiko selbst werden sie unter anderem jipijapa genannt, da sie aus der Faser der Jipi-Palme hergestellt werden. Hierfür werden die Blätter der Palme zunächst in passende Stücke geteilt und in Schwefel gekocht, um sie zu bleichen. Danach werden sie in eine der 2000 umliegenden Kalksteinhöhlen gebracht, denn damit die Fasern flexibel und weich genug zum Flechten sind, benötigen sie eine gewisse Feuchtigkeit und Temperatur. Dies erklärt auch, warum die Produktionsstätte der Panamahüte ausgerechnet in Bécal liegt und nicht woanders…. Da gab es einfach keine entsprechenden Höhlen!

In den Höhlen werden die Hüte per Hand geflochten, dann auf alten Maschinen in Form gepresst und schlussendlich manuell in die finale Form gebracht. Dieser ganze Vorgang dauert je nach Qualität 3 Tage bis über 2 Wochen. Danach werden sie teilweise noch mit bunten Blumen oder mexikanischen Motiven bemalt. Da es oft alte Familienbetriebe sind, findet man heutzutage in fast jedem Privathaushalt eine kleine Erdhöhle, die neben / unter dem Haus direkt in den Kalkstein gehauen wurde, in denen ebenfalls Hüte hergestellt werden.

Dieses äußerst treffende Mural sahen wir über dem Eingang eines Hutladens in Campeche.

Wir fuhren natürlich auch mit dem Hintergedanken nach Bécal, meinem Mann einen Hut zu kaufen. Nachdem wir in Mérida nur teurere Exemplare (ab 2000 Pesos aufwärts) sahen, beschlossen wir direkt nach Bécal zu fahren, wo laut Einheimischen die Preise trotz gleicher Qualität deutlich moderater sein sollten. Wir wurden nicht enttäuscht. In dem kleinen Geschäft Artesanias Hans, was uns schon allein wegen fehlender aufdringlicher Verkäufer gefiel, wurden wir sehr gut beraten und mein Mann schlussendlich für 750 Pesos fündig. Gute Qualität erkennt man übrigens an der Anzahl der Flechtstreifen: Ein echter Panamahut hat oben eine Rosette, die den Ausgangspunkt beim Flechten bildet. Je mehr Kreise rings um sie herum sind, desto besser ist die Qualität, weil mehr Streifen verflochten wurden. Das macht den Hut flexibel und beständig.

Für jeden Geldbeutel, jeden Geschmack und jede Kopfgröße war etwas dabei.

Was uns in Bécal allerdings sehr negativ auffiel, war das aggressive Werben für bestimmte Läden und Besichtigungen. Sobald wir am zócalo ankamen, stürzten sich mehrere motorisierte Mexikaner auf uns, um uns eine Tour aufzudrängen oder uns „den Geheimtipp der Stadt“ zu zeigen. Trotz vehementen Ablehnens blieben sie uns solange auf den Fersen und klebten regelrecht an unseren Außenspiegeln bis wir unser Auto verließen, um spazieren zu gehen. Leider blieben sie wie die Aasgeier neben unserem Auto sitzen bis wir zurückkamen, nur um das gleiche Spiel zu wiederholen. Am nervigsten war nicht mal, dass ständig gegen unsere Fenster geklopft oder wilde Zeichen gemacht wurden, sondern dass wir höllisch aufpassen mussten niemanden umzufahren, da sie auch kreuz und quer vor unserem Auto fuhren, um uns zum Abbiegen zu bringen. Allerdings sollte man sich wirklich nicht irritieren lassen, sondern einfach langsam, aber bestimmt seinen Weg fahren.

Die drei Herren vor uns waren von der penetranten Sorte und fuhren gute 2 km mit uns „mit“. Hier sieht man auch gut den Unterschied zu den gepflegten Gebäuden am zócalo.

Unsere Yucatán-Rundreise im Überblick.


Warum heißt der Hut bei uns eigentlich Panamahut, obwohl er gar nicht aus Panama kommt?

Die irreführende Bezeichnung Panamahut hat wie so oft einen historischen Ursprung. Früher wurden die Hüte nur in Ecuador hergestellt und erst ab 1859, als ein Priester die benötigte Palmenpflanze in Mexiko einführte, ging die Produktion in Bécal los. Neben Mexiko und Ecuador werden die Hüte auch in Nicaragua, Peru und Kolumbien hergestellt. Dass der Hut nun trotz seines Ursprungs nicht Ecuadorhut, sondern Panamahut heißt, liegt lediglich am Importsystem der USA im 19. Jahrhundert. Damals durften alle Waren aus Südamerika nicht direkt aus den jeweiligen Ländern in die USA importiert werden, sondern mussten zunächst an einer Sammelstelle gelagert und von dort aus verschifft werden. Diese Sammelstelle lag – na, wer ahnt es? – in Panama und jede Ware erhielt den Zollstempel Panama, egal woher sie ursprünglich stammte. Dadurch wurde der Hut in den USA kurzerhand panama hat genannt und dieser Begriff bürgerte sich in vielen weiteren Sprachen ein.

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