Holbox – Yucatáns Sandinsel

Unser erstes Ziel auf Yucatán sollte die viel gelobte Insel Holbox, gesprochen Holbosch, sein. Da es dort nicht allzu viel zu erkunden gibt, planten wir nur einen Tag mit zwei Übernachtungen ein, der uns auch vollkommen ausreichte.

Von Cancún aus fuhren wir nach Holbox, doch bereits die Anfahrt war abenteuerlicher als geplant. Schon der Flug nach Cancún verlief nicht reibungslos: Wir machten eine Zwischenlandung auf der Insel Cozumel (Angeblich, weil „mucho traffico“ (= viel Verkehr) am Cancúner Flughafen herrschte. Da dies allerdings eine beliebte Ausrede für alle möglichen Situationen ist, weiss ich nicht, ob es in diesem Fall stimmt), sodass wir mit 1,5 h Verspätung ankamen. Die Wartezeit von 2 h auf unser Mietauto an der Hertz-Station ließ uns dann langsam nervös werden, denn es war mittlerweile früher Abend, die letzte Fähre nach Holbox fuhr um 20.30 Uhr und bis dort hin brauchten wir mindestens 2 Stunden!

Route Flughafen Cancún – Holbox, Fahrtzeit ca. 2 h + 30 min Fähre

18.30 Uhr war das Auto endlich gepackt und wir fuhren leicht gestresst mit massivem Zeitdruck los. So hatten wir uns unseren ersten Tag, der zumindest in der Theorie auch genug zeitlichen Puffer hatte, nicht vorgestellt. Die Autobahn war immerhin eine positive Überraschung und die beste Straße, die wir in Mexiko bisher erlebt hatten. 2 Spuren ohne Gegenverkehr, Reflektoren am Straßenrand, ein Seitenstreifen und Fahrbahnmarkierungen. Was möchte man mehr? Als wir jedoch die Hauptautobahn verließen und auf die Landstraße Richtung Holbox fuhren, veränderten sich die Straßenverhältnisse wieder schlagartig und wurden typisch mexikanisch. Besonders übel waren die Schlaglöcher, die es immer wieder gab und die in der Dunkelheit kaum zu erkennen waren. Zudem ragten die dunklen Büsche des Dschungels direkt bis an die Straße heran bzw. versuchten teils sogar die Straße zurückzuerobern und waren in ihrer vollkommenen Schwärze ganz schön unheimlich.

Oben: 2-spurig ausgebaute Autobahn Richtung Merída
Unten: Landstraße Richtung Holbox, auf der es besonders viele Insekten gibt. Unsere Frontscheibe war nach kürzester Zeit von oben bis unten voll.

Nach der rasanten Fahrt kamen wir 20.10 Uhr in Chiquilá an, wo uns die nächste Überraschung erwartete. Der Hurrikan, der erst vor wenigen Tagen über Yucatán hinweggezogen war, hatte hier nicht nur einige Spuren der Verwüstung, sondern auch Wasser hinterlassen. Viel Wasser. So viel Wasser, dass wir mit unserem Auto dort definitiv nicht durchkamen. Stattdessen suchten wir uns den einzigen bewachten Parkplatz, welchen wir mit unserem Auto erreichen konnten (Parking Los Delfines), und ließen uns mit einem großen Quad zur Fähre bringen. Da auf Holbox eh keine Autos zugelassen sind, hätten wir uns im Übrigen sowieso einen Parkplatz suchen müssen. Für 2 Tage bezahlten wir inklusive Hinbringen und Abholen von der Fähre ca. 10 €.

Dort kamen wir kurz vor 20.30 Uhr an und erlebten das erste Mal unfreundliche Mexikaner. Denn anstatt wie sonst hilfsbereit zu sein oder die Fähre gar zu stoppen, ließ uns die Ticketverkäuferin seelenruhig auflaufen und die Fähre fuhr uns vor der Nase weg. Immerhin erfuhren wir dort, dass es doch nicht die letzte Fähre war, sondern die letzte erst um 21.30 Uhr fuhr, aber trotzdem bedeutete es, dass wir eine Stunde am Hafen warten mussten.

Kleiner Tipp: Am nächsten Tag erfuhren wir, dass es 2 Fährunternehmen gibt, die nach Holbox fahren: Holbox Express (rot) und 9 Hermanos (blau). Beide fahren jeweils einmal pro Stunde, allerdings gegenläufig, sodass alle 30 min einer von beiden fährt. Nur abends und morgens ist je eine einstündige Pause. Die Tickethäuschen stehen direkt nebeneinander und je nach Abfahrtszeit sollte man darauf achten, bei welchem Fährunternehmen man sich sein Ticket kauft. Beide sind gleich gut und schnell – auch wenn die rote Linie Holbox Express heißt -, aber die 9 hermanos sind ein wenig günstiger. Die Überfahrt dauert je nach Wetterlage ca. 30 Minuten.

Unten links sieht man die nebeneinanderliegen Ticketverkaufsstände

In Holbox angekommen kann man entweder zu Fuß oder mit einem sogenannten carrito (= kleines Auto, in dem Fall ein kleiner Quad) zum Hotel kommen. Nebst Fahrrad und selten auch mal einem Motorrad sind dies die einzigen Fortbewegungsmittel auf der Insel und zwar mit gutem Grund. Die Straßen bestehen aus weißem Sand und gerade in der Hurrikan- und Regensaison sind die Straßen auch mal 30 oder mehr Zentimeter hoch geflutet.

Carritos auf Holbox.
Bei den kleinen, öffentlichen carritos haben hinten 2 Erwachsene plus 1 Kind Platz, während die (2) Koffer vorne auf den Gepäckträger kommen. Die Bordsteine sind absichtlich so hoch, damit man die Chance hat trockenen Fußes von A nach B zu gelangen.

Den nächsten und einzigen Tag auf Holbox verbrachten wir mit der Erkundung der Insel. Im Prinzip gibt es dort nichts zu tun außer sich zu erholen und (sonnen-) zu baden. Aufgrund des wechselhaften Wetters konnten wir letzteres nicht tun, sodass wir stattdessen die Stadt erkundeten. In der Regensaison – und vermutlich auch in jeder anderen – ist es aufgrund der wadentiefen „Pfützen“ tatsächlich am praktischsten Flip Flops oder Badelatschen zu tragen. Mein Mann, der das anders sah und Sneaker trug, kassierte den einen oder anderen schadenfrohen Blick von uns, wenn er mal wieder um die überfluteten Straßenbereiche herumtänzelte.

Von den abenteuerlichen Straßen mal abgesehen ist Holbox ein hübsches Fleckchen Erde, das sich trotz des stetig wachsenden Tourismus seinen mexikanischen Charme bewahrt hat. Es gibt viele bunte Häuser, viel Streetart und viele kleine Geschäfte, die jedoch vor allem an den Hauptstraßen sehr teuer sind. Auffällig sind jedoch die vielen palmenblättergedeckten Häuser, die vor allem am Strand und unter Palmen eine bildhaft schöne Kulisse schaffen.

Impressionen aus Holbox

Die kilometerlangen weißen weichen Sandstrände waren zur Zeit unseres Besuchs ziemlich leer – ob wegen des Wetters oder Covid-19 geschuldet, weiss ich nicht – und das normalerweise wunderschöne grüne klare Wasser konnte man stellenweise erahnen, auch wenn das Wasser durch den Hurrikan noch ziemlich aufgewühlt war. Trotzdem hat es uns sehr gefallen.

Auf der Insel, die verhältnismäßig wenig bebaut ist, gibt es außerdem mehrere Aussichtspunkte, die jedoch nur mit den carritos zu erreichen sind. Deswegen begnügten wir uns damit, nur ein wenig am Strand, durch die Straßen und von einer Küste zur anderen zu laufen. Letzteres dauert gerade einmal 10 min und ca. auf der Hälfte der Straße kann man das Meer sowohl im Süden als auch im Norden sehen. Das obligatorische Buchstabenfoto durfte natürlich auch nicht fehlen.

Oben: Die Buchstaben vor der etwas unvorteilhaften Kulisse des Fährhafens.
Unten: Sandstrand mit eigentlich grünem Wasser.

Fazit: Zum Erholen und Entschleunigen ist Holbox sehr gut geeignet – zumindest außerhalb der Regenzeit, denn ansonsten könnte es schnell langweilig werden, da es kaum Indooraktivitäten gibt. Ein weiterer Punkt, der für Erholung sprechen würde, ist die Tatsache, dass man sehr schlechten Handyempfang und Internet hat.

Für uns war das leider ein wenig problematisch, da wir unsere Reise während der Schulzeit machten und die Kinder immer mal wieder zwischendurch online am Unterricht teilnehmen mussten. Hinzu kam, dass sie in der ersten Woche täglich Examen schrieben und hierfür eine stabile Internetverbindung von Vorteil gewesen wäre.

Übernachtung

Übernachtet haben wir in dem kleinen Hotel Villas Margaritas. Die Zimmer waren sauber und in einem gepflegten Zustand, das Hotel hatte einen kleinen Pool und der Strand ist ca. 5 min Fußweg entfernt. Lediglich der Wasserdruck ließ zu wünschen übrig – das ist besonders nervig beim Haare waschen – , aber das ist in Mexiko nichts neues. Morgens gab es ein leckeres, typisch mexikanisches Frühstück.

Im Übrigen sollte man auf ganz Holbox das benutzte Toilettenpapier nicht in die Toilette, sondern in einen separaten Eimer werfen, um die Kanalisation zu entlasten.

Restaurants

Während unseres eintägigen Aufenthalts gingen wir in das Restaurant Ameite, welches direkt am Strand liegt. Die Preise waren ok, die Bedienung freundlich, das Essen lecker und die Kinder konnten während des Wartens im Sand spielen. Was möchte man mehr?

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