Chichén Itzá – Eines der 7 neuen Weltwunder

Chichén Itzá – Wer kennt sie nicht, diese weltberühmte Mayastätte? Seit 1988 zum Weltkulturerbe und seit 2008 zu den sieben neuen Weltwundern gehörend, ist sie eines der beliebtesten Ausflugsziele auf Yucatán. Auch wir machten uns von Valladolid aus auf den Weg, um uns diese – für uns erste – Mayapyramide anzuschauen.

Route Valladolid – Chichén Itzá, Fahrtzeit ca. 40 min

Wir fuhren früh los, da wegen der Pandemie nur eine begrenzte Anzahl an Leuten eingelassen wurde und wir zudem nicht erst in der brütenden Mittagshitze ankommen wollten. Denn auch, wenn die Anlage von Chichén Itzá mitten im Urwald liegt, so sind durch die bisherige Freilegung von ca. 30 Bauten immense Freiflächen entstanden, auf denen mit Glück gerade mal ein laues Lüftchen zur Abkühlung weht. Immerhin sind noch einige Dschungelbereiche erhalten geblieben, sodass wir uns beim Besichtigen hin und wieder im Schatten aufhalten konnten und dadurch der Besuch temperaturenmäßig angenehmer war als der in Teotihuacán.

Da Kinder kostenlos waren und wir den Einwohnerpreis zahlen, war der Eintritt mit insgesamt 210 Pesos (ca. 9 €) für uns 5 wie immer recht günstig. Touristen, die 450 Pesos (ca. 20 €) pro Person zahlen dürfen, werden deutlich mehr zur Kasse gebeten. Nach einem kurzen Temperaturencheck – bei dem wir mit 33°C Körpertemperatur eher tot als lebendig waren -, durften wir das Gelände betreten. Anfangs dachte ich fälschlicherweise, dass die gesamte Anlage nicht allzu groß sein wird. Böse war ich nicht drum, denn obwohl ich normalerweise kein Problem mit dem Tragen von dem obligatorischen Mundschutz habe, so kam ich in der feuchtschwülen Hitze durchaus an meine Grenzen.

Der Hauptweg führt vom Eingang direkt auf die beeindruckende Pyramide des Kukulcán (von den spanischen Eroberern auch „El Castillo“ (= das Schloss) genannt) zu, dessen Name – die Mayas verehrten den gefiederten Schlangengott Kukulcán – sich in den zwei großen Schlangenköpfen, die einen Aufgang der Tempelpyramide zieren, widerspiegeln.

Tempelpyramide Kukulcán

Die Pyramide wurde großflächig freigelegt und erhebt sich dadurch weit über die Anlage hinaus. Hinaufklettern darf man zum Schutz des Gebäudes allerdings nicht (mehr), auch wenn die Kinder das sehr bedauerten. Um den Tempel herum verteilt liegen der Sportplatz und weitere kleine, teils nicht besonders gut erhaltene Gebäude.

Vor allem den Sportplatz fand ich sehr faszinierend. Das Ballspiel, welches zur damaligen Zeit von so ziemlich allen in Mexiko lebenden Kulturen mit jeweils kleinen Variationen gespielt wurde, war in der Maya-Kultur ein blutiges Sportereignis. Es gab zwei Mannschaften, die versuchten einen kleinen Ball durch Ringe zu befördern, wobei sie allerdings weder Hände noch Füße, dafür aber den Rest des Körpers benutzen durften. Die Höhe und Lage der Ringe war jedoch in jeder Mayaanlage unterschiedlich. In Chichén Itzá hingen die Ringe ca. 5-6 m an einer horizontalen Wand und es ist mir schleierhaft wie man den Ball ohne den Einsatz von Händen und Füßen in dieser Höhe durch einen verhältnismäßig kleinen Ring befördern soll.

Oben links: Der Ring in Nahaufnahme.
Oben rechts: Größenvergleich (Mensch mit ca. 1,70 m) zur Abschätzung der Ringhöhe.
Unten: Gesamter Sportplatz mit je einem Ring links und rechts. Gerade zu die Tribüne der Herrscher.

Umstritten ist, was nach Ende des Ballspiels passierte. Die Einen sagen, dass die Verlierermannschaft zur Strafe den Göttern geopfert wurden, die Anderen meinen, dass dies den Gewinnern vorbehalten war, denn nur das beste Blut war für die Götter gut genug. Immerhin sind sich die Forscher einig, dass eine Mannschaft geopfert wurde. Ich für meinen Teil bin jedenfalls sehr froh, nicht zu der Zeit gelebt zu haben, denn auch außerhalb des Ballspiels gab es oft genug grausige Gelegenheiten sein Leben mehr oder weniger freiwillig für die Götter zu opfern.

Von dort aus ging es weiter zu der Halle der 1000 Säulen bzw. handelt es sich eher um ein großes Areal, in welchem Säulen in langen Kolonnen stehen und mittendrin kleine Tempel, wie z.B. der Tempel der Krieger. Dieser Bereich ist noch relativ gut erhalten und vor allem schützt er dank noch vorhandener Bäume vor der glühenden Sonne.

Immer wieder faszinierend wie exakt die Mayas damals gebaut haben.
Oben links: Die Kinder waren begeistern davon, dass sogar die Mayas schon dieses X-O-Spiel spielten…

Danach legten wir an der Pyramide einen Picknickstop ein, nicht zuletzt, weil die Kinder mal wieder ein Examen hatten und das Internet dort halbwegs vernünftig war. So störend die permanenten Examen waren, so cool war es dieses Mal für den Großen, der Geschichte schrieb. Ich meine, wer kann schon von sich behaupten an solch einem geschichtsträchtigen Ort sein Geschichtsexamen geschrieben zu haben?!

Im Laufe des Vormittags nahm auch die Anzahl der Stände entlang der Hauptwege und rund um die Tempelpyramide zu. Überall rief es lautstark „One dollar“ und sobald sie mitbekamen, dass wir Deutsche waren, wurde noch „Alles gratis, alles gratis“ hinzugefügt. Am Ende unseres Aufenthalts waren wir so entnervt von den teils aggressiven Verkäufern, die trotz ablehnender Haltung hinter einem herliefen und ihre Ware mit „Alles gratis“ darboten, dass ich drauf und dran war sie anzufauchen, ob ihnen die Bedeutung ihrer Worte eigentlich bewusst ist. Stattdessen versuchten wir jedoch es mit Humor zu nehmen und uns die Gesichter der Verkäufer vorzustellen, wenn wir sie tatsächlich beim Wort nähmen und ihre Waren für lau mitnehmen würde. Insbesondere die Kinder erheiterte die Vorstellung ungemein.

Trotz allem fanden wir auch dort ein kleines Mitbringsel für unsere Mexiko-Deko-Ecke zuhause. Hierbei handelte es sich um eine Mayafigur aus Holz, die mit Naturfarben bemalt wurde. Besonders schön fand ich, dass der Verkäufer uns auch zeigte, welche Naturmaterialien er benutzte: Gelb gewann er aus Blüten, die vor Ort wuchsen, Schwarz aus Kohle, Rot aus einer Hibiskusblüte und Grün aus einer typisch yucatanischen Beere (deren Namen ich leider vergessen habe). Ich brauche wahrscheinlich nicht zu erwähnen, dass in der nächsten Zeit dank der Kleinen unser Beeren- / Blüten- / Steinevorrat im Auto rapide zunahm. „Nicht wegwerfen. Damit will ich noch malen.“ war unser meistgehörte Satz in den folgenden Tagen …

An den Ständen bekommt man alles, was das Herz begehrt. Und alles andere auch.

Gruselig wurde es als wir bei der kleinen, sich auf dem Gelände befindlichen Cenote Sagrado ankamen. Forscher fanden auf dem Grund mehrere menschliche Skelette, darunter auch Frauen und Kinder, und laut Überlieferungen wurden sie dort ebenfalls für die Götter geopfert. Wer versuchte herauszuklettern, wurde wieder ins Wasser gestoßen und so mussten die Opfer so lange in der Cenote schwimmen bis ihre Kräfte sie verließen und sie jämmerlich ertranken. Schwimmen darf man in dieser Cenote heutzutage nicht, doch darauf hätte ich mit diesem Hintergrundwissen eh wenig Lust.

Nur mit Anstrengung hinter dem dichten Buschwerk zu erkennen: die Cenote Sagrado

Von der Cenote aus gelangten wir zu dem südlichen Areal, auf dem sich neben weiteren Gebäuden das Observatorium „El Caracol“ befindet. „El Caracol“ (= Schnecke) erinnert tatsächlich an ein Schneckenhaus und diente den Mayas unter anderem zur Beobachtung des Planeten Venus, der für sie eine wichtige Rolle spielte und auch zur Erstellung des Mayakalenders genutzt wurde.

Oben rechts: Das Observatorium El Caracol
Links: Alle Schilder auf dem Gelände waren auf spanisch, englisch und der Maya-Sprache
Unten rechts: La Iglesia, eine kleine Kirche.

Hier gibt es übrigens als Übersicht und Entscheidungshilfe eine kurze Beschreibung aller besichtigten Mayastätten.

Cenote Ik Kil

Nach ca. 3 Stunden machten wir uns auf den Rückweg nach Valladolid und machten den Fehler an der vielgepriesenen Cenote Ik Kil anzuhalten. Wir zahlten den völlig überteuerten Eintritt von 35 €, nur um dann feststellen, dass erstens das Tragen von Schwimmwesten Pflicht war – die gegen einen weiteren Obolus ausgeliehen werden konnten – und zweitens die Cenote so gar nichts gemein hatte mit den im Internet kursierenden Bildern. Entweder entstanden diese zu einer anderen Jahreszeit, anderem Wetter oder aber sie wurden stark bearbeitet.

Während unseres Besuches Mitte November ähnelte die Cenote einem großen schwarzen Loch und grün oder blau schimmerndes Wasser konnten wir lange suchen. Das Wasser war zudem eiskalt, sodass es uns einige Überwindung kostete, dort überhaupt hinein zu gehen. Ich schreibe uns, obwohl ich gar nicht im Wasser war. Nachdem ich bereits im flachen Wasser bei den Treppenstufen viele kleine Fische sah, wollte ich gar nicht mehr hinein. Die Fische waren nämlich so zutraulich, dass sie, anstatt wegzuschwimmen, auf uns zukamen und Fischen kann ich leider so gar nichts abgewinnen, schon gar nicht nah an mir dran. Mein Mann und die Kinder hielten es immerhin 20 min im Wasser aus bevor sie recht verfroren wieder rauskamen und wir nach Valladolid weiterfuhren.

Oben links: Treppen hinunter zur Cenote
Unten rechts: Nicht nur, dass die Schwimmwesten total fipsig waren, beim Schwimmen kniffen sie auch noch wie verrückt in den Achseln.

Fazit: Chichén Itzá ist einen Besuch wert, aber meiner Meinung nach weder die imposanteste noch schönste Maya-Anlage. Da haben wir im Laufe der Reise noch deutlich schönere gesehen. Die Cenote Ik Kil hingegen war sowohl Zeit- als auch Geldverschwendung und ist eher auf den Massentourismus ausgelegt, der von Chichén Itzá aus schnell (ca. 10 min Fahrt von Chichén Itzá entfernt) dorthin gelangen kann.

4 Kommentare zu „Chichén Itzá – Eines der 7 neuen Weltwunder

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