Der Weihnachtskalender

Heute mal ein Thema, was eigentlich nicht wirklich zu Mexiko gehört oder passt: der Weihnachtskalender. Zumindest heißt er bei uns so, während ihn viele andere auch Adventskalender nennen. Erst in Mexiko lernte ich, dass dieser Kalender, auf den sich unsere Kinder schon das gesamte Jahr über freuen, gar nicht auf der ganzen Welt bekannt oder gar genutzt wird. Wie das eben mit Traditionen so ist, gehörte auch diese für mich einfach dazu und ich ging ohne weiteres Nachdenken davon aus, dass es wohl überall solche oder ähnliche Kalender geben wird.

Das dem nicht so ist, erfuhr ich letztes Jahr zufällig als uns eine mexikanische Freundin in der Weihnachtszeit besuchte und interessiert fragte, was wir denn für Säckchen am Treppengeländer hängen hätten. Weder sie noch ihre Kinder kannten Weihnachtskalender. Für mich unvorstellbar! Ihre Frage, welchen Nutzen die Kalender haben, konnte ich noch beantworten, da sie mir schon in meiner Kindheit die Wartezeit auf Weihnachten verkürzten. Doch bei der Frage nach dem Ursprung musste ich passen. Denn obwohl wir Jahr für Jahr die Säckchen aufhängen und befüllen, hatte ich mich das noch nie gefragt und auch nirgends gelernt. Da lernt man so viel (unnützes) Zeug in der Schule, was man später nie wieder braucht, aber die wirklich wichtigen Fragen des Lebens werden dort nicht angesprochen 😉

Also machte ich mich auf die Suche und da es einigen von euch sicher genauso geht wie mir, gibt es hier eine kleine Zusammenfassung: Der Adventskalender entstand vor bald 200 Jahren in der Mitte des 19.Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum mit dem Zweck, Kindern die Zeit bis Weihnachten greifbarer zu machen. Da insbesondere kleine Kinder noch kein Zeitgefühl besitzen und mit einer bestimmten Anzahl an Tagen nur wenig anfangen können, fing man an, sich verschiedene Varianten auszudenken, um diese abstrakte Größe greifbarer zu machen:

  1. Jeden Tag ein Weihnachtsbild aufhängen bis Weihnachten erreicht ist.
  2. 24 Kreidestriche an die Wand malen, von denen jeden Tag einer weggewischt wird.
  3. In katholischen Gegenden durfte jeden Tag ein Strohhalm in die Krippe gelegt werden, damit das Jesuskind an Weihnachten schön weich liegen kann. Allerdings nur, wenn man brav war!
  4. usw.

Wenn man diese ersten Anfänge mit unseren heutigen Kalendern vergleicht, dann haben es unsere Kinder schon ganz schön gut. Ich glaube, meine Kinder würden nicht schlecht gucken, wenn ich ihnen nächstes Jahr anstelle von 24 Säckchen eine Krippe hinstellen und erlauben würde, sie dürften dort täglich einen Strohhalm hineintun, wenn sie besonders artig waren 😂

Bei uns hängen die Säckchen seit jeher am Treppengeländer.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts entwickelten sich die Kalender immer weiter, zunächst zu richtigen Kalendern, an denen es Türchen gab hinter denen hübsche Weihnachtsbilder waren, dann zu einfachen Schokoladenkalendern und später zu denen, die wir kennen. Heutzutage gibt es ja wirklich alles, was das Herz begehrt und für Jedermann ist etwas dabei.

Mein Mann bekam dieses Jahr einen selbstkonstruierten 6-türigen Adventskalender aus Lego.

Auch dieses Jahr unterhielt ich mich wieder mit Mexikanern. Einige erzählten mir, dass sie die Adventskalender von ausländischen Freunden kennen oder online gesehen hätten, aber noch nie in einem Laden. Andere wiederum kannten die Kalender gar nicht. Als meine Kleine dieses Jahr im Unterricht am 1.Dezember erzählte, was sie dieses Jahr in ihrem Säckchen hatte, musste sie danach erstmal erklären, was denn dieser Kalender sei. Danach haben sich viele Eltern in unserem Klassenchat bei mit „bedankt“, weil ihre Kinder nun auch so etwas haben wollen 😀 Verdenken kann man es ihnen ja nicht.

Nachdem ich nun ausführlich darüber geschrieben habe, was in Mexiko NICHT Tradition ist, gibt es auch noch einen kleinen Absatz über eine Tradition, die es hier genauso gibt wie in Deutschland: der Adventskranz. Ein Unterschied ist jedoch, dass man hier oft auf künstliches Tannengrün zurückgreift, da es echtes kaum zu kaufen gibt. Auch bei den Weihnachtsbäumen ist es schwer, schöne Nordmanntannen zu bekommen. Es sind eher kleine, halb verkrüppelte Pinien, die mit einer Kettensäge und / oder Heckenschere in Weihnachtsbaumform gesäbelt werden, weswegen wir uns schon im letzten Jahr (schweren Herzens) für einen künstlichen Baum entschieden haben.

Adventskränze von mexikanischen Freunden für Tisch oder Tür.

Ein weiterer Unterschied ist, dass hier nicht alle einen Kranz haben. Von unseren mexikanischen Freunden ist es nur ungefähr die Hälfte, während von unseren deutschen Freunden fast alle einen haben. Auch die Kerzen sind hier anders. Während wir in Deutschland eher dicke, kleine bis mittelgroße Kerzen hatten, werden hier schlanke Kerzen verwendet oder der Adventskranz gleich an die Tür gehangen.

Auch wir haben unser Adventsgesteck an die hiesigen Gegebenheiten angepasst. Da wir keine Lust auf künstliches Grün hatten, sind wir durch den Garten gestromert und haben einfach alles, was grün ist und ein wenig buschig aussieht, verwendet. Da es hier nicht die klassischen Adventskerzen gibt, mussten wir diese sehr hohen Grabkerzen verwenden, die extra lange brennen.

Weder deutsch noch mexikanisch: Unser Adventsgesteck in Mexiko.

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