Baltimore – Küstenstadt mit Charme

Baltimore – an der Ostküste zwischen Washington, D.C. und Philadelphia gelegen – überrascht mit einer ganz eigenen Mischung aus Geschichte, Hafenflair und rauem Charme. Die traditionsreiche Küstenstadt an der Chesapeake Bay verbindet heute historische Backsteinfassaden mit moderner Waterfront, lebendigen Vierteln und einer kreativen Szene. Zwischen alten Segelschiffen im Inner Harbor, verwinkelten Gassen in Fell’s Point und spannender Geschichte zeigt sich Baltimore kulturell vielseitig und strahlt zugleich eine unerwartet gemütliche, fast kleinstädtische Atmosphäre aus, obwohl die Einwohnerzahl mit der von Stuttgart vergleichbar ist.

Da unser Hotel im Süden der Stadt lag, hielten wir auf dem Weg nach Downtown zunächst am Fort McHenry an. Dieses steht auf der Halbinsel am Patapsco River – strategisch günstig, um früher alle Schiffe auf dem Weg in den Hafen zu kontrollieren und die Stadt zu verteidigen. Bekannt geworden ist das Fort durch den Angriff der britischen Marine im Jahr 1814, als es einem 25-stündigen massivem Bombardement standhielt. Als der Augenzeuge Francis Scott Key am nächsten Morgen noch die amerikanische Flagge über dem Fort wehen sah – ein Zeichen dafür, dass die Stadt nicht gefallen war -, wurde er zu dem Gedicht „Defense of Fort M’Henry“ inspiriert. Dieses wurde später zur US-Nationalhymne The Star-Spangled Banner und gehört damit zu den geschätzt 60-70% der Nationalhymnen weltweit, die einen Kriegsbezug haben.

Der Eintritt zum Park ist größtenteils frei, nur der historische Bereich innerhalb des Forts kostet 15$ / Person. Wir haben dort so einige Jogger und Spaziergänger gesehen, die einfach nur die Landschaft genossen. Einziger Wehrmutstropfen: Es gab kaum Bäume oder Schatten und so kamen uns die Strecken bei 35 °C alle doppelt so lang vor! Da half auch das laue Meereslüftchen nichts.

Riesige Parkanlage direkt am Meer
Unten rechts: Die Bank im Schatten war dann auch direkt unsere!

Der historische Bereich ist insgesamt recht überschaubar, aber trotzdem spannend gestaltet. In den großen Häusern – den ehemaligen Kasernen -, wurden die Schlaf- und Kochbereiche nachgebaut und es wurde anschaulich über die kleinen, eher ungebetenen Mitbewohner informiert: Flöhe, Läuse und Bettwanzen. So kann z.B. eine weibliche Bettwanze in ihrem Leben bis zu 500 Eier legen – das freute die Soldaten sicher!

Außerdem konnten wir noch in den Bunker unter dem Fort hinabsteigen, in dem die Soldaten während des Bombardements Schutz suchten und ausharrten. Oben auf den Wällen hatten wir dann einen tollen Ausblick auf die Bucht und das Fortgelände. Dort standen auch einige Kanonen, die veranschaulicht haben, wie das Fort damals verteidigt wurde.

Unten links: Links und rechts sieht man die niedrigen Eingänge zu den Bunkern.

Da ich nicht sonderlich gut zu Fuß war, ließen wir lange Spaziergänge durch Downtown oder den Inner Harbor aus und fuhren direkt nach Fell’s Point: Ein charmantes Altstadtviertel direkt am Wasser mit verwinkelten Gassen, Backsteingebäuden und netten Cafés. Überraschenderweise waren dort sehr wenig Touristen unterwegs, wobei ich nicht weiss, ob es an der Hitze lag oder daran, dass das Viertel vielleicht nicht so bekannt ist. Nach einem kurzen Imbiss schlenderten wir ziellos durch die Straßen, genossen die Atmosphäre und warfen den ein oder anderen Blick in die kleinen Lädchen. Sehr empfehlenswert!

Impressionen aus Fell’s Point

In einer Großstadt wie Baltimore gibt es natürlich noch deutlich mehr zu sehen und erleben als wir es an dem einen Tag geschafft haben. Neben vielen Museen wie das National Aquarium am Inner Harbor, Poe-Haus oder Eisenbahnmuseum gibt es in der ganzen Stadt viel Streetart zu entdecken. Ein Spaziergang an der Waterfront und das Probieren von lokalen Spezialitäten – Baltimore ist insbesondere für Crab Cakes bekannt – sollte auch nicht fehlen!

Restaurant trifft es nicht ganz, aber dafür waren wir in der Pitango Bakery + Café und genossen einen sehr leckeren Imbiss mit kühler Zitronenlimonade bei netter Kulisse.

Pitango Bakery + Café

Übernachtet haben wir im Embassy Suites. Spät aus Washington kommend und für eine schnelle Weiterfahrt am nächsten Tag perfekt gelegen. Das Frühstück war wie immer typisch amerikanisch, aber das Spiel kennen wir ja mittlerweile 🙂

Embassy Suites

Kurios, aber witzig: In Fell’s Point gab es auch eine (selbsternannte?) neighborhood watch. Der Herr passte fleißig auf und beäugte alle Passanten argwöhnisch 🙂

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