Eins der Dinge, die mich schon lange an unserem Haus störten, war der nicht vorhandene porch. Doch zieht man deswegen um? Nee, natürlich nicht, aber schön ist anders.
Kurz zur Erklärung: Auch wenn die eigentliche Übersetzung Veranda ist, so wird hier sowohl der Bereich vor dem Haus – sprich eine typische Veranda – als auch der Bereich hinter dem Haus – also eigentlich eine Terrasse – porch genannt. Das war für mich am Anfang etwas verwirrend und zur Unterscheidung wird manchmal noch front porch / back porch gesagt, aber im Allgemeinen ist es einfach nur porch.
Ein porch ist dabei ein offener, überdachter Bereich, der einem einen gewissen Schutz vor Regen usw. bietet – eine Veranda eben – mit dem Unterschied, dass sie hier zumeist mit Mückennetzen und Deckenventilator ausgestattet sind. Als wir in den USA ankamen, war mir ein porch nicht sonderlich wichtig, allerdings änderte sich das bereits nach kurzer Zeit, denn ich lernte schnell, dass man ohne diesen in der warmen Jahreszeit quasi nicht draußen sitzen kann, was somit mindestens die Hälfte des Jahres ist. Zusätzlich zu den Insekten, die einen ohne die Moskitonetze unablässig umschwirren, zerstechen und im Haus herumschwirren, hält man es im Sommer draußen ohne Ventilator keine 10 Minuten aus ohne komplett zu zerlaufen. Das ist wohl auch der Grund, warum 90% unserer Nachbarn einen porch haben, auch wenn sie in sämtlichen Ausführungen, Größen und Ausstattungen variieren. Aber ein ganztägig laufender Ventilator und ein Mückennetz sind ein Muss!
Lange Rede, kurzer Sinn
Auf unsere erste Anfrage vor ein paar Jahren, ob er zufällig einen porch bauen möchte, reagierte unser Vermieter ob der Kosten und des Aufwandes verständlicherweise sehr verhaltend und verneinend. Da wir nun noch weitere 3 Jahre hier bleiben, reichte es mir, und ich überzeugte meinen Mann, dass wir dann eben alleine einen porch bauen. Muss ja nicht groß oder besonders toll sein, aber zumindest so, dass wir unseren Draußenbereich mehr nutzen können. Als wir im April diesen Jahres unserem Vermieter unser Vorhaben unterbreiteten, stimmte er überraschend einem Deal zu: Wir erstellen eine maßstabsgetreue Zeichnung, er kümmert sich um das gesamte Material, übernimmt dessen Kosten und wir bauen den porch auf. Für uns alle eine win-win-Situation: Er bekommt einen stabilen, hochwertigen porch, der sein Haus aufwertet, und wir können mehr Zeit draußen verbringen.
Der Bau
Kurz nachdem wir aus unserem Sommerurlaub zurück waren, wurde endlich das Material geliefert. 2,5 Wochen hatten wir, bis die nächste Dienstreise meinen Mann wieder nach Südkorea führte. Zeit, die wir gut nutzen wollten.

Und so verbrachte vorrangig mein Mann die nächsten Wochen glücklich an seinen gemeingefährlichen (das ist natürlich nur meine Meinung, nicht die seine!) Maschinen, lärmte und staubte was das Zeug hielt und freute sich wie ein kleines Kind, dass er wieder basteln darf. Die Begeisterung schwang zwar ab und zu in Frust – wenn mal wieder dank krummer Terrassenplatte nichts passte – und Schmerzen – wenn die metallenen Dachplatten bei über 40°C in der Sonne anfingen zu glühen – um, aber größtenteils überwog die Freude.
Der Rest der Familie hatte überwiegend eine haltende Rolle, allen voran meine Mama, die tapfer den sommerlichen Temperaturen trotzte und mit meinem Mann gemeinsam auf der Baustelle schwitzte, während ich munter im gekühlten Büro saß. Dazu wurden von ihr fachmännische Ratschläge erteilt, von den Kindern Wasser gereicht und ab und an ließ mein Mann auch tatsächlich die Kinder seine geliebten Geräte bedienen.

Das Ergebnis nach 1,5 Wochen konnte sich aber sehen lassen.
Vorher…

… man sieht einen Fortschritt…

… hier ist der Fortschritt weniger ersichtlich, dafür aber umso nervenaufreibender…

… nachher…

Danach fehlte nur noch der Kleinmist, der bekanntlich am nervigsten ist und am längsten dauert: Alle Fugen mit Silikon verschließen, Steckdosen neu verlegen, Licht und Ventilator anschließen usw. Mit dem Dekorieren sind wir immer noch nicht fertig, weil uns einfach die Zeit (und Lust) fehlt. Immerhin ist schon eine neue Sitzgarnitur eingezogen, wodurch die Terrasse gleich gemütlicher ist. Unsere alten Gartenmöbel, die wir zu Studienzeiten mal geschenkt bekommen haben und die mir eigentlich nicht hundertpro gefallen, werden uns noch weiterhin begleiten. Denn das ist tatsächlich ein weiterer Nachteil am häufigen Umziehen: Wieso soll man viel Geld für neue Möbel ausgeben, die beim nächsten Umzug wahlweise beschädigt werden oder nicht zum neuen Haus passen? Mit ein Grund, warum wir immer noch viele Möbel aus unserer Studentenzeit haben und sowas wie die Anschaffung der neuen Sitzgarnitur eher eine Ausnahme ist.

Und so war mein neuer Homeofficeplatz geboren: Bereits morgens um 6 Uhr, wenn sich die ersten Sonnenstrahlen zeigten, saß ich bei noch angenehmen 25°C ungestört auf der Couch. Hochgelegte Beine, Computer auf dem Schoß, Hunde unterm Sofa – so macht Arbeiten Spaß!