Die ersten Wochen in den USA

Oder: Kulturschock – vor allem für den Hund! Nun sind wir schon knapp 3 Monate in den USA, auch wenn es mir noch gar nicht so lange vorkommt. Mittlerweile sind die Sommerferien vorbei, die Kinder in der Schule, mein Mann in der Arbeit, die Umzugskisten ausgepackt und ich? Ich habe wieder mehr Zeit. Für mich, für die Hunde, für ein gutes Buch, für mein Klavier und für meinen Blog. Gerade letzterer wurde in den vergangenen Monaten sträflichst vernachlässigt, doch zwischen Umzug(svorbereitungen), Homeschooling und Haushalt blieb einfach zu wenig Zeit.

Doch wie waren nun die ersten Wochen?

Den Anfang machte unsere Autoreise in die USA, die leider anders ablief als geplant, da unsere Jüngste fast die gesamte Zeit krank war. Dadurch fiel großartiges Sightseeing aus und wir legten unser Augenmerk eher darauf so schnell wie möglich nach Greenville zu kommen ohne das die Fahrt für die Kleine zu anstrengend werden würde.

Stationen unserer Rundreise: San Luis Potosí – Monterrey – San Antonio – Austin – Houston – New Orleans – Montgomery – Greenville

Als wir Ende Juni in Greenville ankamen, zogen wir zunächst in eine möblierte Übergangswohnung. Dort sollten wir wohnen bis der LKW mit unserem Umzugsgut ankommen würde. Die Wohnung war überraschend groß, hatte 3 Zimmer und, was den Kindern natürlich am meisten gefiel, einen dem Wohnkomplex zugehörigen Pool. Während mein Mann ab Anfang Juli anfing zu arbeiten, genossen die Kinder und ich die Ferien. Zumindest mehr oder weniger. Der tägliche Gang zum Pool war natürlich ein Muss, doch nebenbei arbeiteten die Kinder – verständlicherweise relativ lustlos – ihre summer packages ab. Das waren Aufgaben, die sie von ihrer neuen Schule bekommen hatten. Teils um zum Beispiel die letzten 2 Jahre verpassten Deutschunterricht nachzuholen, teils zur Vertiefung / Übung einiger anderer Themen. Somit meldeten wir uns auch zügig in der hiesigen Bibliothek an, da sie unter anderem vorgegebene Bücher lesen mussten, die jetzt am Schuljahresanfang durchgesprochen und deren Inhalte in Examen abgefragt wurden.

Appartement im Wohnkomplex Larkspur Pointe

Abends saßen mein Mann und ich die ersten 4 Wochen fast täglich an Papierkram und koordinierten allerlei Termine, insbesondere bzgl. der Bürokratie. Wer zum Beispiel in South Carolina (Abkürzung SC) wohnt, muss spätestens nach 90 Tagen einen SC-Führerschein besitzen. Den darf man allerdings erst beantragen, wenn man die Social Security Card hat, auf der wiederum die Social Security Number (= Sozialversicherungsnummer) zu finden ist. Ohne die läuft in den USA gefühlt sowieso nichts, doch wegen der Pandemie muss man derzeit verhältnismäßig lange auf Termine bei den entsprechenden Ämtern warten.

Dokument für die Social Security Number

Doch als allererstes besorgten wir uns amerikanische Handynummern, damit wir wenigstens unser Bankkonto aktivieren konnten. Das wiederum brauchten wir, damit wir uns bei den Strom-, Wasser-, Internet-,… anbietern anmelden konnten. Dabei haben wir gelernt, dass man hier immer einen oder sogar zwei proof of address ( =Nachweis, wo man wohnt) braucht. Ich hätte gedacht, dass z.B. ein Mietvertrag reicht, aber Pustekuchen. Akzeptiert werden nur Dokumente wie ein Führerschein aus South Carolina, Grundsteuerbescheide oder Strom- oder Gasabrechnungen, Versicherungskarten, usw. Also im Prinzip alles Dokumente, die man am Anfang (noch) nicht vorliegen hat. Zum Glück durfte die Bank ebenfalls einen proof of address erstellen, jedoch nur auf den Namen meines Mannes, d.h. nur er konnte sich überall anmelden. Außerdem war es nur ein Nachweis, d.h. alles, wofür wir zwei verschiedene Nachweise brauchten, mussten wir auf später verschieben.

Hinzu kamen Schultermine, Treffen mit zukünftigen Klassenkameraden und Elternabende, die Besorgung von Schulmaterialien und -uniformen, der obligatorische Einstufungstest für alle Grundschüler, die nicht aus South Carolina kommen, die Organisation eines Deutschnachhilfelehrers, das Vorbereiten und Feiern des 7.Geburtstages der Kleinen und und und….

Am Geburtstag der Kleinen gingen wir in den Greenviller Zoo. Nur so viel: Er lohnt sich nicht.

Somit verging die Zeit einerseits sehr schnell, doch andererseits waren die ersten 4 Wochen in den USA viel anstrengender als damals in Mexiko. Dort kamen wir damals kurz vor Weihnachten an und die größte Sorge, die wir hatten, war die Besorgung aller Geschenke und des Weihnachtsbaumes. Zu der Zeit hatte mein Mann Urlaub, sodass wir in aller Ruhe die neue Umgebung erkunden und die Familienzeit genießen konnten. Die Anmeldung bei Gas-, Wasser-, Strom usw. war entweder nur ein kurzer Klick im Internet oder teils schon durch den Vermieter erledigt. Viele Dokumente musste man dort auch nicht vorlegen. Somit war es dieses Mal deutlich stressiger, zumal die Kleine krankheitsmäßig auch noch einen Rückfall hatte und sie 3 Wochen brauchte, um richtig gesund zu werden. Das einzig Positive daran: Immerhin kennen wir dadurch schon einen vernünftigen Kinderarzt in unserer Nähe. 🙂

Parallel dazu hatten wir ab Anfang Juli unser gemietetes Haus, dem wir erstmal eine gründliche Reinigung zukommen ließen. Da es obendrein deutlich kleiner als unser altes Haus in Mexiko ist, verbrachte ich die ersten Tage fast ununterbrochen damit, auf dem Papier für alle Möbel einen geeigneten Platz zu finden. Insbesondere für das Wohn- und Esszimmer hatte ich schon über 5 unterschiedliche Versionen und war trotzdem nicht zufrieden. Erst die Idee, die Kücheninsel abzubauen und an die Stelle den Esstisch zu stellen, brachte den Durchbruch. Nun konnte der LKW, der bereits für Anfang Juli angekündigt war, kommen. Doch letztlich verschob sich die Ankunft Tag um Tag, Woche um Woche. Erst beim fünften angekündigten Termin stand der LKW wirklich vor unserer Haustür – 6 Wochen nachdem er aus San Luis Potosí losgefahren war.

Hin- und Herrücken der Möbel: Anfangs noch am PC, später nur noch auf dem Papier

An dem besagten Tag standen wir alle früh auf und warteten recht hibbelig auf die Ankunft der Umzugsfirma. Wir wollten endlich in unser Haus einziehen. Nach 7 Wochen im Hotel freuten wir uns auf unsere eigenen Betten und insbesondere für die Hunde konnte ich es kaum erwarten. Laila, unsere Große, fand die flauschigen Teppichböden in den amerikanischen Hotels zwar super und hatte vermutlich das glückliche Gefühl, alle Zimmer seien übergroße Hundebetten, doch mit Luna, unserem 4-/5-monatigen Welpen, war das eher suboptimal. Die Furcht davor, dass sie die Teppiche als Hundetoilette nutzen würde, stresste mich und bescherte ihr regelmäßig Schlafplätze im Bad. Dem einzigen Ort, an dem es Fliesen gab und wo man im Zweifel kleine Stubenreinheitsunfälle hätte aufwischen können.

Mithilfe eines Koffer „sperrten“ wir sie nachts ins Bad. Wir konnten uns gegenseitig sehen und hören, aber sie nicht auf den Teppich gelangen. Für uns die beste Lösung in dieser unperfekten Situation.

Doch mit dem Einzug ins Haus war auch diese Sorge passé, weswegen wir uns mehr als freuten als die Möbelpacker Kiste um Kiste in unser Haus schleppten. Eigentlich taten sie mir ziemlich leid, denn gefühlsmäßig nahmen die Kisten kein Ende, sie waren nur zu viert und ausgerechnet an diesem Tag war es noch heißer als sonst. Nach 2-3 h schaute einer, der sich bisher eher um die Verteilung der Kisten im Haus kümmerte, ungläubig und entmutigt in den LKW. Er dachte aufgrund der Anzahl der Kisten im Haus, dass sie schon gut vorangekommen seien, doch der LKW war immer noch zu 3/4 voll. Als sich der erste Tag und auch die Kräfte der 4 Männer dem Ende zuneigten, durften wir endlich mit anpacken. Schon in Mexiko störte es mich, dass wir nicht helfen und nur zugucken durften, weil das einfach nicht meine Art ist tatenlos daneben zu stehen. Somit halfen wir wenigstens die letzten 2 Stunden beim Reintragen, weswegen der Container „schon“ nach ganzen 7 Stunden ausgepackt war.

Zusätzlich zum Kisten tragen gehörte es außerdem zu ihrer Aufgabe alle Möbel auszupacken, wobei sie lautstark über die mexikanische Verpackungskunst schimpften. Immerhin waren die Möbel nicht nur in Pappe und Papier, sondern darüber hinaus noch in Knisterfolie und viel viel Klebeband eingepackt. Da machte das Auspacken in der Tat wenig Spaß und die dadurch entstandenen Müllberge waren enorm. Doch nach 2 Tagen, 2 LKW-Ladungen mit Verpackungsmüll, doppelt und dreifach durchgeschwitzten T-Shirts, unendlich vielen Litern getrunkenes Wasser und viel Eis war es endlich geschafft. Zumindest für die 4 Männer. Für uns hingegen fing der Spaß da erst an, denn es warteten insgesamt 464 Möbel und Kisten darauf im Haus verteilt und ausgepackt zu werden. Wenig hilfreich dabei war die Beschriftung „Krempel“ auf ca. 50 Kisten (in denen befanden sich z.B. wild gemixt Hausschuhe, USB-Kabel, Tassen und Spielzeug) und die Kleine, die ungeduldig wahllos irgendwelche Kisten öffnete, nach Spielzeug suchte, mitten im größten Chaos mit Knete spielte und deren Krümel verteilte. Nach ca. 4 Wochen und einigen Nachtschichten konnten wir jedoch auch dieses Kapitel abschließen und genießen nun voll und ganz unser ein- und aufgeräumtes Haus.

Oben links: Ein hilfsbereiter Nachbar versucht mit einer Stichsäge den Verschluss unseres Containers aufzubekommen, da die Möbelpacker ihr Werkzeug nicht dabei haben.
Oben rechts: Die Laufwege wurden so gut es ging mit Teppich ausgelegt, um den Dreck zu minimieren.
Unten: Kistenchaos
Mitte: Fertiges Wohnzimmer

Und jetzt?

Mittlerweile gehen die Kinder schon knapp 5 Wochen zur Schule und haben bereits angefangen erste Freundschaften zu knüpfen. Sprachlich kommen sie gut zurecht – nicht zuletzt, weil sie in Mexiko eine (mehr oder weniger) bilinguale Schule besucht haben – und erhalten zudem viel Unterstützung von den Lehrern und ihren Mitschülern, wenn sie sie benötigen. Einzig und allein an den langen Schultag müssen sie sich noch gewöhnen. Da der Schulweg eine Autofahrt von 30 min bedeutet, verlassen wir bereits um 7.15 Uhr das Haus und bis die Kinder wieder daheim sind, ist es 16 Uhr. Die Umstellung von Homeschooling auf solch einen langen Schultag ist natürlich insbesondere für unsere 7-jährige herausfordernd, aber auch da hat sie sich bisher sehr gut angepasst.

Alles in allem geht es uns also super. Wir genießen die grüne Natur – so mit das einzige, was uns in San Luis immer wieder fehlte -, das Mehr an Familienzeit und unsere Ausflüge in die Umgebung. Inzwischen haben wir einen ungefähren Alltagsrhythmus, Blumentöpfe mit Pflanzen zieren unsere Fensterbretter (an diesen Punkt sind wir in Mexiko nie gelangt), kennen viele neue Leute (leider vorrangig Deutsche, von denen es hier überraschend viele gibt) und wissen, wo es gutes und bezahlbares Sushi gibt. Was will man mehr 😁

Parks, Sushi & Co.

Die, die am meisten mit dem Umzug zu kämpfen hat, ist eigentlich unsere große Hündin Laila. In Mexiko hatte sie ihren ihr bekannten Bewegungsradius, der sich vor allem auf unseren Garten mit einer 4-5 m hohen Mauer, die Wiese vor unserem Haus und den Stausee beschränkte. Überall gab es wenig oder nur bekannte Hunde und Leute. Hier hingegen haben fast alle Spaziergänger einen Hund dabei (ohne Hund geht man sowieso nicht spazieren, sondern nimmt lieber das Auto), durch unseren Lattenzaun kann man in die anderen Gärten schauen und deren Hunde sehen, in den state parks gibt es unendlich viel zu entdecken und die feuchtwarme Luft ist auch nur bedingt angenehm, wenn man ganztägig einen schwarzen kuscheligen Fell“pullover“ trägt.

Links Luna (zu dem Zeitpunkt 4,5 Monate) und rechts Laila (2 Jahre)

Gerade die ersten Wochen waren für sie und deswegen auch für uns sehr anstrengend. Vor lauter Überforderung, Frust und Reizüberflutung wurden andere Spaziergänger und Hunde lautstark angebellt – ein Verhalten, das uns bis dahin völlig fremd war -, die anderen Gärten und deren Besitzer wurden argwöhnisch beobachtet und wenn auch nur die kleinste Bewegung vor / hinter unserem Haus stattfand, wurde auch dies uns lautstark mitgeteilt. Durch viel Training und positive Verstärkung sind wir mittlerweile soweit, dass sie diesbezüglich etwas ruhiger geworden ist und seit 2 Wochen sind die Temperaturen nicht mehr so, dass ihre Zunge bereits nach 2 min hechelnd auf dem Boden schleift.

Hilfreich sind auch die zahlreich vorhanden Hundeparks, in die wir regelmäßig gehen. Dort kann sie erstmalig Kontakt zu vielen verschiedenen Hunden haben, was in Mexiko in der Form nicht möglich war – mal abgesehen von Straßenhunden, was wir aufgrund von Parasiten und Krankheiten aber unterbunden haben – und lernen wie man von Hund zu Hund kommuniziert. Da sieht man mal wieder wie wichtig die Sozialisierung von Hunden im Welpenalter ist, was wir Laila nur bedingt ermöglichen konnten. Umso froher bin ich, dass wir diese Defizite mit ihr hier etwas aufholen können, auch wenn es für sie ein regelrechter Kulturschock ist.

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